Elena Becker MA

Die Aporie des Raumes oder: Bild-Dynamik

Editorial

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In der 52. (Halb-)Jahresausgabe (2026/2) der philosophischen Internetreihe „hippocamus.de“ greift die Ausgabe unter dem Titel „Aporie-Raum“ die politischen, ökonomischen, ökologischen einschließlich astronomischen Ereignisse des vergangenen Halbjahres-Zeitraums vorwiegend am Thema des amerikanisch-iranischen Konfliktes um die „Straße von Hormus“ auf.

Im Gegensatz zur politischen Aktualität, deren Verlauf in sporadischen Verhandlungen, abwechselnden Phasen von militärischen Einsätzen und intermediärer „Waffenruhe“ diskontinuiert, die eher die Tendenz zeigen, das Dilemma zu perpetuieren, eröffnet sich der philosophische Zugang am -Begriff- der „Aporie“.

Die „Straße von Hormus“ benannte Meeresenge erweist sich phänomenologisch als sichtbar gewordene, geologische Formation, die der philosophischen Vorstellung nicht nur zum exemplarischen Bild dient, sondern auch die räumliche Topologie und den Austragungsort einer konfligierenden Dynamik bezeichnet.

Aber auch in Form einer reinen, der „Transzendenz“-Bewegung im Sinne eines Über-und Durchganges basal zugrunde liegenden und auf sich „teleologisch“ orientierten Idealbildlichkeit ist das Bild an sich „dynamisch“.

Nicht nur der „transzendentale“ Idealismus, sondern auch der materiale Empirismus David Humes stattete die Bilder, die untereinander „Kontiguitäts“- und „Ähnlichkeitsverbindungen“(J.-P. Sartre)1 unterhalten, mit einer inneren Dynamik aus, die nach J.-P. Sartres Worten in „Transzendenz des Ego“:

„wie gegebene Kräfte wirken; sie fließen nach halb mechanischen, halb magischen(!) Anziehungskräften zusammen.“(J.-P. Sartre. Die Transzendenz des Ego. S. 108)

William James, der die Theorie eines Erfahrungsstroms vertrat, ereiferte sich seinerseits gegen die -ideologische- Vorstellung des im Bewußtsein „inert“ vorliegenden, isolierten Bildes.

Bildlich gesprochen: „Zu sagen“, schreibt W. James,

„daß das Bewußtsein nur diese Arten von Bildern enthält, bedeutet letzten Endes, daß ein Fluß nur eine bestimmte Menge von Eimern(!) oder anderen Behältern Wasser enthält, Meßbecher, Liter oder Tonnen. Laßt uns“, fordert James auf, „alle diese Eimer und Behälter in den Fluß bringen; bleibt neben ihnen das freie Wasser, wo sie untertauchen und das weiterhin zwischen ihnen hindurchfließt.“(W. James zit. n. J.-P. Sartre. Ebd. S. 173)

In diesem Zitat W. James´ spricht zudem noch die metaphorische „Kraft“ des Bildes „für sich“, die die ökologische Situation in Europa- konkret also akuter Wassermangel in deutschen Flüssen und „Dürre“- getreu vor Augen stellt und „reflektiert“.

Worin das , wie es Jean Piaget nennt, selbst „viable“ Bild aber mit der räumlichen Situation der „Aporie“ konfusioniert ist, fließt aus der jeweiligen Qualität des „wegbahnenden“(viablen) Bildes ab: entweder, indem es „orientiert“2 und „steuert“(ebd.), oder indem es sich, wie es Ignace Meyerson(ebd.) ins Bild brachte: „wie eine Barriere quer über (den) Weg“(ebd.) legt.

Das Bild „lenkt“(ebd.) so auf die „herakliteische“ Vorstellung des Denkens als eines auf- und abwärts verlaufenden „Weges“(Th.W.Adorno)3, anders gewendet: eines immanenten und zugleich davon abweichenden und -hebenden „transzendentalen“ Weges, der mit dem „anderen“ Bild und Ausspruch Heraklits: „panta rhei“(gr. „alles fließt“) zu reintegrieren wäre.

Gegen eine solche, sei es im relationalen (Erkenntnis-)Objekt, sei es in einer „historisch-dialektischen“ (sog.) Totalität restituierte, mit Th.W.Adorno:“restitutio in integrum“(ebd.) versperrt sich ein -I. Kants- „Dualismus“ ebenso wie der „emanzipatorische“ Ausgang aus der Aporie im -I.Kants- „Konstitutionsproblem“(ebd.) präsupponiert wird.

Das „Kantische Schema“(J. Dewey)4 paßt auch exakt zur gegenwärtigen „Krise“(ebd.), wenn diese auch un-geteilt der politischen Realität zugehört und in ihrer Interessen- und „Wert“-Sphäre motiviert ist, die in -verschiedene- politische „Sozialordnung(en)“(N. Luhmann)5 zerfällt und nicht einer gemeinsamen „konsistent-transitiven Wertordnung“(ebd.) zugeordnet und darin fundiert werden können.

Damit ist eine darin teils eruierende, teils extrahierte Problematik der praktischen, (per.def.) nicht „handlungsentlasteten“(J. Habermas)6 Diskurse (ebd.) angesprochen, soweit diese nicht mehr normativ oder im -dialektischen- Schema „intersubjektiver Anerkennungsverhältnisse“(ebd. S. 116) geregelt werden können.

Vor einer, im J. Habermas´schen Bild gefaßt, die Praxis überflutenden „Überschwemmung“(ebd.) kann sich die „Diakursethik“(Habermas) nicht mehr auf normative „Inseln“(ebd.) retten. „Die Mittel der Verständigung“(ebd.), lautet das Fazit von Jürgen Habermas,

„werden durch Instrumente der Gewalt immer wieder verdrängt“. (J. Habermas.Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln. S. 116)

Mit dieser Einschätzung lieferte Habermas in „Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln“ seinerseits ein Realitätsbild des -Ganges- der politisch-militärischen Auseinandersetzung, in der der -Streit- um die „Straße von Hormus“ eskalierte.

Die aus moralpraktischer Sicht: fundamentalen „Aporien“(Habermas, ebd.) ergeben sich dabei nicht, wie noch für eine G.W.Leibniz´sche oder M. Heidegger´sche Ontologie aus der „Überkompossibilität“(Luhmann) von Möglichkeiten, die die, mit Jacques Derrida:“Enge eines Übergangs [erfordert], der ein Wille ist“7 -noch- auf dem Schleichweg einer „Subreption“(Adorno, S. 111) des synthetisierenden „Seins“(Heidegger).

Die Aporie besteht in eben dieser in „Wertsphären“(Habermas, S..117) etc. ausdifferenzierten, Habermas:“Art von Beschränkungen, denen praktische Diskurse stets unterliegen, [in ihnen] bringt sich die Macht der Geschichte(sic) gegenüber den transzendierenden Ansprüchen und Interessen der Vernunft zur Geltung.“(Habermas, ebd.)- ohne aber darin einen Ausweg aus dieser historischen Aporie aufzuzeigen und zu weisen.

In der vorliegenden 52. Ausgabe fließen ein und zusammen:

Th.W. Adorno, G. Agamben, A. Badiou, E. Bloch, R. Brandom, M. Foucault, G. Deleuze, J. Derrida, J. Dewey, G.W.F. Hegel, M. Heidegger, M. Horkheimer, I. Kant, C. Lévi-Strauss, N. Luhmann. J.-F. Lyotard, H. Marcuse, K. Marx, M. Merleau-Ponty, R. Rorty, B. Russell, J.-P. Sartre, P. Sloterdijk, P. Virilio, u.a.

Elena Hagl Becker M.A. Philosophie

Scheyern, den 26.8.2026