Elena Becker MA

Das synkritische Element oder: Kraft-Potential

>> Trumps Vorhaben, den nächsten G-8-Gipfel -physisch- in den USA abzuhalten, war wohl doch (etwas) zu euphorisch.

Zwar soll es bei einem -echten- Treffen bleiben, aber verschoben.

Weil Trump zudem der Auffassung ist, daß die G-8- Gruppe die Machtverhältnisse nicht mehr „abspiegelt“, wird Südkorea als neuer Teilnehmer hinzukommen.

Innenpolitisch droht Trump damit mit militärischen Einsatzkräften gegen die landesweiten Protestaktionen vorzugehen, die sich nach dem Tod eines Schwarzen namens George Floyd gebildet hatten.

Floyd sei Opfer rassistischer (Polizei-)Gewalt geworden, wie es heißt.

Trump ignoriert bisher die -politische- Kritik, die auch seine aktuellen „twitter“- Posts betreffen könnten, wenn die („twitter“-)Betreiber seine (diesbezüglichen) Beiträge wegen Regelwidrigkeit löschen (!).

Um die deutsche Wirtschaft, die unter einer vom „Corona“- Virus verursachten Rezession heimgesucht wird, wieder anzukurbeln, will die Regierung (Merkel) trotz Kritik die Mehrwertsteuer senken.

Als Begründung dafür, die Mehrwertsteuer -trotz Kritik- nur mit zeitlicher Beschränkung herabzusetzen, verwies A. Merkel auf die -nächste- Generationen-“kette“, die diese Maßnahme zu tragen hätten.

Die „Grünen“ wandten dagegen, daß die beschlossenen Steuererleichterungen zu „dissipativ“ wirkten und bedauerten zugleich, daß die Chance zur -optimierenden- Umweltveränderung verspielt wird.

Die „Flexibilisierung“ der -nicht kommensurablen (J.-F. Lyotard)1- „Mehrwert“-steuer stellt die geradezu „dogmatische“ Fixierung auf diese wirtschafts-politische Grund-“feste“ nicht infrage, die den -allgemeinen (un-wahren)- „Zustand“(H. Marcuse)2 wiederherstellen soll, also seine konkrete -instrumentelle („existentielle“, J.P. Sartre)3- „Praxis“(Sartre) in Richtung auf eine -“normale“ (M. Foucault)- („Seins“-)Wirklichkeit transzendieren d.h. überschreiten.

Dabei ist eine derartige de-limitierende Praxis ein integrales Moment einer -allgemeinen- „Totalität“ (J.W. v. Goethe)4, die sich ihrer zum -quantitativen- Wachstum bedient und im „Mehrwert“ ein quasi universales Dispositiv (Lyotard, S. 138) glaubt.

Die Gebundenheit an den zeit- und teilweise suspendierten „gesetzlichen“ Mehrwert spiegelt nicht nur eine (quasi) evolutionäre Lebensenergie oder „Entwicklungsmechanik“(Driesch/ Cassirer, S. 76).

Sie entspricht so auch ganz einer -liberalen- Wirtschaftsform und -praxis, die der generalisierte „Spezialfall“(Th.W. Adorno)5 einer -energetischen (Lyotard)- „Kausalität“(Adorno, ebd.) oder aristotelischen „energeia“(gr.) repräsentiert, die alle un-gleichen Energiedifferenzen („-potentiale“, Lyotard) in einen „beständigen“(Adorno, ebd.), zugleich potentiellen (d.h.) ent-aktualisierten Ausgleichs-Zustand oder Homöostase versetzt.

Demgegenüber, aber ganz und gar in „Relation“(J. Dewey)6 zu dieser -universalen- Utensilitätsstruktur, die, M. Horkheimer, „wie pluralistisch [sie] ... sich auch geben mag, ... alles zum bloßen Gegenstand und deshalb letztlich zu ein und demselben [verwendet], ein Element in der Kette von Mitteln und Effekten.“(M. Horkheimer. Kritik der instrumentellen Vernunft. S. 53), erscheinen der pragmatischen „Totalität“ (Horkheimer) jegliche Berufung auf -andere- „Universalien“(B. Russell/ J. Dewey) außer „Hilfsaxiomen“(Lyotard, S. 139) wie beispielsweise die (sog.) „Bullen“ (sic, Lyotard, S. 139) titulierte Polizei, also „Grund“- und „Menschenrechte“ (R. Rorty)7 oder auch -ideologische- Postulate etwa der französischen Revolution („Freiheit“, „Brüderlichkeit“ usw.) sowie B. Russells „allgemeine Idee“: die „Schwärze“(!)8 para-doxal.

Wenn m.a.W. die Berufung auf bereits universal anerkannte Grundsätze wie die „Gleichheit aller Menschen“, sei es vor dem Gesetz oder – im Definitionssinn- eines „humanistischen“ Verständnisses, etwa seinerzeit zur Forderung des im 19. Jahrhundert aufkommenden „Feminismus“ erhoben bzw. funktionalisiert wird, als „verrückt“(Rorty, ebd.) erachtet oder empfunden wurde, so, weil diese vom Standpunkt einer „privilegierten“ pragmatischen „Einstellung“(J. Dewey) aus -nicht- „problematisch“(Dewey, S. 235) genug(!) sind.

Was im -Dewey´schen- Pragmatismus gegenseitig ausgespielt wird, ist das an und für sich neue „Prinzip“ der -relationalen- Wechselwirkung mit der angeblich -privilegierten- Position der „Erkenntnis“(Dewey, S. 109), die der exklusiven -platonischen- „Zugangsart zur Realität“(Dewey, ebd.) zugewiesen wird und mit dem -“metaphysischen“- Problem (Dewey, S. 231) der -“isolativen“-, so aber den „Erscheinungen entsprechende Beziehung“ (!Russell)9 von „Geist“ und „Körper“ (Dewey, ebd.) in eins gesetzt wurde.

Die im pragmatischen resp. mechanistischen Prinzip ausgeblendeten, „ignorierten“(Lyotad) metaphysischen „Wesenheiten“(Horkheimer, S. 53) verwandeln sich in bloße Oberflächenphänomene, deren Schauplatz die -im transzendentalen Denken ihrerseits ausgegrenzte (E. Cassirer, S. 239)- (psychologische) Sprache (J. Lacan/) wird, die sich zur „ideologischen Projektionsfläche“(Lyotard) aufspannt, oder in die hinter Mauern, Türen und Wänden verborgene Gewalt, die sich in „inneren“ (häuslich) ausgetragenen Konflikten entlädt und ereignet.

Während J. Dewey also ausdrücklich positiv notiert, daß :“Das Vorkommen problematischer(!) und ungeklärter(!) Situationen ... auf der charakteristischen Verbindung der Diskreten oder Individuellen mit dem Kontinuierlichen oder Rationalen“(S. 234) beruhen soll, liegt darin auch eine deutliche Aufwertung, insofern gerade die „Unbestimmtheit“ dieser Situation (Dewey) eine substantiell -neue- Synthese („Synkrisis“, Goethe) herstellt, indessen „individuelle“ Erfahrungen, „diskrete“ Zustände und Erkenntnisse als „isolierte“ abgewertet werden. Dewey: „Ebendadurch, daß sie individuell und in sich vollständig, also genau das wäre, was sie ist und nichts anderes, wäre sie diskret in dem Sinne, in dem Diskretheit vollständige Isolierung bedeutet. Dunkelheit zum Beispiel wäre eine endgültige Qualität wie jede andere und ebenso gut [oder schlecht] wie jede andere.“(J. Dewey. Die Suche nach Gewißheit. S. 235)

Dabei entsteht dem Pragmatismus der finale („Erkenntnis“-)Wert gerade im rein kumulativen „Anwachsen“(J. Dewey) von Erkenntnissen(!) aus den einzelnen „Reaktionsweisen“(Horkheimer, ebd.) relationaler und wechselwirkender (Inter-)Aktionen, die sich nach dieser Prämisse nicht(?) in der Isolation „potentialisieren“ oder akkumulieren.

Das vermag auch die sonst anti-metaphysische „Kritische Theorie“ M. Horkheimers nicht zu akzeptieren:“Wenn die Welt eine Stufe erreichen sollte, auf der sie nicht nur aufhört, sich um solche metaphysischen Wesenheiten zu kümmern, sondern auch um Morde, die hinter geschlossenen Grenzen oder einfach im Dunklen verübt werden, dann müßte man daraus schließen, daß die Begriffe solcher Morde keine Bedeutung haben, daß sie keine `bestimmten Ideen´ oder Wahrheiten darstellen, da sie für keinen fühlbar etwas verändern. Wie sollte jemand merklich auf solche Begriffe reagieren, wenn er es für ausgemacht hält, daß seine Reaktion ihre einzige Bedeutung ist?“ (M. Hokheimer. Ebd.)

Damit hätte auch das (sog.) „Universalienproblem“ sein Ende im Kausal-(„Trieb“-)mechanismus gefunden, dem allenfalls die „klassen-lose Gesellschaft“ als bereits erreichtes „letztes objektives Ziel“(Cassirer, S. 107) gilt und die fragwürdige Sprache von Werbestrategen als -spezifisches- Ausdrucksmittel.

Der pragmatische Slogan „Alles ist gut, was einer künftigen Menschheit dient“(Horkheimer, S. 264) entbehrt jeden „humanistischen Inhalts“(ebd.), der -in seiner Funktion- als „ursprüngliche Aussage“(A. Badiou)10 in seiner („Farb“-)Intensität verblaßt und kraftlos geworden ist.

Der, A. Badiou:“Eintritt (für) in (die) Wahrheit“(ebd.), der sich physisch an den (de-zentralen) „Brennpunkten“(Dewey, S. 234) abspielt, bedürfte dazu eines -neuen- „Kraftpotentials“(Lyotard, S. 139), nicht physischer Gewalt, die sich weiter des -Lyotard- „Energieschaltungsprinzips“(S. 138) bedient und die „Wiederholung [replication] ohne tieferreichende Differenzierung“(ebd.) privilegiert, indem sie alle anderen energetischen und qualitativen (Wert-)Unterschiede, („Daseins“-)Formen und Axiome absorbiert und nivelliert. E.B.