Elena Becker MA

Die innere Formation oder: in-diskrete Kontinuität

>> W. Schäuble, Bundestagspräsident mit leicht schwäbischem Dialekt, hat es „gesagt“ (gr. „clinamen“, Lyotard). Schäuble nannte also beim „Namen“ -Terrorismus-, womit er auf den neuesten rechtsradikal motivierten Anschlag in Hanau zielte.

Diesen könnte man ansonsten nur als „Wahnsinnstat“ bezeichnen, um „absolut verstanden zu werden“(M. Foucault)1 .

Auch der -weltweit- kursierende (sog.) „Corona“- Virus erhielt eine -medizinisch: exaktere- Bezeichnung, nachdem der ursächliche Krankheitserreger als derivierender „Transformationstyp“ (Foucault)2 des -bekannten- „Sars“-Virus identifiziert wurde.

Das von EU- Präsidentin U. v. d. Leyen vorgestellte („operative“) Ziel, den CO-2- Ausstoß bis 2050 zu neutralisieren, wurde vonseiten der Wirtschaft sowie der Umweltaktivistin G. Thunberg -unterschiedlich- kritisiert.

Thunberg wörtlich: „eine Kapitulation“.

Nach den langwierigen „Brexit“- Verhandlungen folgen ebenso strittige Übergangsverhandlungen, in denen die gegensätzlichen Positionen von EU und Briten aufeinander stoßen.

Von G.W.F. Hegel stammt die -von den Tatsachen allzuoft bewahrheitete- Weisheit: der Flug der Eule Minerva beginnt erst zur Stunde der (Abend-)Dämmerung.

Unter den -spezifischen- (Situations-)Bedingungen kommt dieser -“hinreichend(?) neutrale(n)“(M. Foucault. Analytik)3 Rede der „Vernunft“(ebd.) sogar ein besonders konkreter und wahrhaftiger „Informations“- wert zu, der nicht erst auf dem -langen- Weg der „Veränderungen“(Foucault, S. 30) bzw. über

eine langsame „Incubationszeit“(M. Heidegger. Der Satz vom Grund)4 hinweg, diesen annahm: den weltweit erlahmenden Flugverkehr betreffend, der z.T. ganz am Boden blieb. Von Th.W. Adorno wiederum stammt die -der „Negativen Dialektik“ konforme- Einsicht, daß jegliche „sprachliche Anstrengung“5 und insbesondere der -sprachliche- „Ausdruck“, dem die „Allergie“(Adorno, ebd.) und der „Abwehrmechanismus“(ebd.) einer philosophischen „Logik“(ebd.) galt, nicht nur mit einem „Unexakten“(ebd.) d.h. einem „somatischen Impuls“(Adorno, S. 194) irreduzibel affiziert ist, sondern dadurch auch nur -Philosophie- selbst „überlebt“(ebd. S. 65).

Im sprachlichen Medium, G.W.F. Hegel: der „indiskreten Kontinuität“6 kehrt, M. Foucault: remaniert das individuierte und in die -dialektischen (dichotomischen)- Gegensätze zerfallene epistemische „Wissen“ zwar nicht in die -innere- Einheit eines neutralen Allgemeinen zurück, in dem die Dialektik Hegels zum -in sich versöhnten- Stillstand gelangt, indessen diese sich zum „Identifikationsprinzip“(Adorno, S. 149) wandelt und „ausbreitet“ (ebd.).

Aber und eben aus diesem -effektiven- „Grund“ (lat. „causa efficiens“) verfügt die Philosophie über das eigentlich: organo-“kritische“ Potential und innere „Kraft“, sich „mimetisch“, nicht (normativ-)“normierend“(R. Rorty/Wright)7 zu realisieren (!Rorty, S. 43), Adorno:“(nur) als Sprache vermag Ähnliches das Ähnliche zu erkennen.“(Th.W. Adorno. Negative Dialektik. S.65) Th. W. Adorno hob in der -mimetischen- Sprache das „homologisierende“ (Foucault) Moment hervor, das F.W.J. Schelling in „Über das Wesen der menschlichen Freiheit“ und vor Hegels dialektischer Systemerfindung dem „Persönlichen“ oder einer ursprünglich christo.-“logisch“ tradierten „Persönlich“-werdung eines -göttlichen- „Grundes“(Schelling) zuspricht, das die antinomisch in „Gut“ und „Böse“ gespaltene „Endlichkeit“, für die Scholastik gleichbedeutend mit: träge(!) Materialität wie von einer -persönlichen- „Krankheit“ (Schelling) des „bösen“ (Eigen-)Willens „heilt“(Schelling).

Eingehender schreibt Schelling ohne jede moralisierende Voreingenommenheit:“Wenn durch den nämlichen Antrieb zwei verschiedene Körper von ungleicher Masse mit ungleichen Geschwindigkeiten bewegt werden, so liegt der Grund der Langsamkeit(!) der Bewegung des einen nicht in dem Antrieb, sondern in dem der Materie angeborenen und eigentümlichen Hang zur Trägheit, d.h. in der inneren Limitation oder Unvollkommenheit der Materie. Hierbei ist aber zu bedenken, daß die Trägheit selbst als keine bloße Beraubung [gr. steresis] gedacht werden kann, sondern allerdings etwas Positives(!) ist, nämlich Ausdruck(!) der inneren Selbstheit des Körpers, der Kraft, wodurch er sich in der Selbständigkeit zu behaupten sucht. Wir leugnen nicht, daß auf diese Art die metaphysische Endlichkeit sich begreiflich machen lasse; aber wir leugnen, daß die Endlichkeit für sich selbst das Böse sei.“(F.W:J. Schelling. Vom Wesen der menschlichen Freiheit. S. 42)

Die „im Formalen“ (Schelling, ebd.), das „vom Wesen des Positiven“(ebd.) her kommt resp. davon „abgeleitet“ (Foucault) ist, ur-identischen Termini des Endlichen und des Unendlichen, die Schelling in der „dogmatischen“ Philosophie der scholastischen Tradition vorfindet, implizieren (!Foucault) noch nicht ihre im „Begriff der Persönlichkeit“(Schelling, S. 45) erfahrene, der reinen „Masse“ ent-hobene „Veränderung“(Foucault, S.30), die sich -M. Foucault (ebd.)- im „Inneren“ dieser „Formation“ selbst ereignet.

F.W.J. Schelling:“Denn es ist nicht die Trennung der Kräfte an sich, Disharmonie, sondern die falsche (! Schelling) Einheit derselben, die nur beziehungsweise auf die wahre eine Trennung heißen kann. Wird die Einheit ganz aufgehoben; so wird damit der Widerstreit aufgehoben. Krankheit(!) wird durch den Tod(!) geendigt.“(Schelling, S. 43)

Im Verlauf der Philosophie-Geschichte, gemäß Hegels idealistischem Objektivismus: ihrer „inneren Historizität“(Rorty) haben sich nicht nur die „Ataxien“(Schelling) zwischen Endlichem und Unendlichem heraus kristallisiert.

Es ergaben sich dabei auch die antipodischen Duale von „Geist“ und „Natur“ bzw. „Körper“ sowie unter dem Einfluß der „modernen“ Psychoanalyse: „bewußt“ und „unbewußt“, auf die der Strukturalismus J. Derridas die sich „kontaminierenden“(Derrida) externalen (Umwelt-)Verhältnisse relegiert, die letztendlich in der quantenphysikalischen “Unschärferelation“ zwar deskriptiv beschrieben, aber nicht mehr „exakt“ gemessen und „normiert“ werden können.

Der finale Höhepunkt oder besser: das Endstadium einer „geistigen“ Evolution scheint damit erreicht oder im Zeitalter der „Postmoderne“ schon wieder überschritten, die sei es in einer -befriedeten- (Dis-)harmonie, kontemplativen Ruhe oder lediglich „Bedürfnisstillung“ inkliniert.

Zumal nach dem „Verzicht“(Horkheimer) auf inhaltliche Ideale und Ideen sowie im prozessualen Verlauf einer „Formalisierung der Vernunft“(M. Horkheimer)8 hin zu einer von der teleologischen Entwicklung divergenten, „operationalen (Zweck-)Rationalität“(H. Marcuse)9, die im -“ganzheitlichen“, de-totalisierten- „Feld“ (E. Cassirer)10, das eine neue (physikalische) Beschreibung des „Organischen“(ebd.) einführt und in dem sich die kausalwirksamen „Operation(en)“(Foucault, S. 30) sowie diskursiven „Formation(en)“ (ebd.) bzw. informale „Aussagen“(G. Deleuze, Rhizom)11 vernetzen, verschieben und transformieren (Foucault), ist von einer -normierenden- Vernunft -Wahrheit nichts mehr „aufzuspüren“(Foucault).

Gut, wenn der Pragmatist R. Rorty zumindest noch die Frage zu formulieren vermag:“Richtig nach wessen Maßstäben? Nach unseren. Nach wessen Maßstäben denn sonst? Nach denen der Nationalsozialisten?“ (R. Rorty. Wahrheit und Fortschritt. S. 78), wenn gleichzeitig die „formale“ Spannung (Rorty) bestehen soll zwischen der Forderung , „alles, was so lange ... zur Annahme einer festen Form braucht wie eine Kultur, eine Spezies von Lebewesen, sei erhaltenswert, und der praktischen Notwendigkeit, bestimmte Kulturen (z.B. die Mafia, Schlägerbanden und Nazis; Rorty) oder bestimmte Arten (z.B. den Blatternvirus, die Fiebermücke, die Waldzecke und die Giftnatter; Rorty) zu dezimieren und auszurotten“. (ebd. S. 273)

Eine nicht wie noch der „Vitalismus“(H. Bergsons u.a.) oder ein in „völkische“ Nationalismen abdriftender „irrationaler Organizismus“(Cassirer/Marcuse)12 nach einer -vorrangigen- „Ganzheits“- Suggestion oder -Realisation schielende „historische Analyse“ M. Foucaults setzt dort an, wo sich die -M. Foucault (Analytik der Macht)- „unterschiedliche(n) Typen des Wandels“(Foucault, S. 30) phänomenologisch und symptomatisch aufweisen lassen, die, Foucault:“zusammengenommen die Gesamtheit der charakteristischen Verzweigungen einer (diskursiven) Formation“(ebd. S. 31) bilden, die -Th.W.Adorno- „dem eigenen Sinn nach somatisch [körperlich] sind“. (Adorno, S. 94)

Was Adorno damit sagt, ist, daß die Fundierung aller Erkenntnis wie die -bewußten- Tatsachen und ihre un-gebundenen Triebursachen, die sich allzu „leicht“ einem „Triebeservoir für eine neue faschistische Weise zu leben und zu sterben“(H. Marcuse)13 einspeisen lassen, darin auch „die Basis ihrer Hierarchie“(Adorno, S. 194) besitzt und verleugnet:“Am ontischen Pol subjektiver Erkenntnis tritt es als deren [physisch affizierter bzw. infizierter] Kern hervor.“(Adorno, ebd.)

Im -“idiosynkratischen“(R. Rorty)- Wechselspiel, das den Pragmatismus post-idealistisch euphorisiert, bleibt aber bislang unentschieden (!Schelling), wie der Ausgang des „Widerstreits“(Schelling, S. 51) zwischen den gegensätzlichen Kräften entschieden wird, die sich in der „Annäherung“(Schelling, ebd.) -des „Guten“(? Ebd.)- entgegentreten und -welches- „welterobernde Prinzip“(ebd.) aus dem „Chaos“ (ebd.) und der „Krankheit“(ebd.) hervortritt, in dem sich F.W.J. Schellings „orphelische“ (weise) Prophezeiung bewahrheitet:

“Weil(!) aber das Wesen des Grundes für sich nie die wahre und vollkommene Einheit erzeugen kann; so kommt die Zeit, wo alle diese Herrlichkeit sich auflöst, und wie durch schreckliche Krankheit der schöne Leib der bisherigen Welt zerfällt, endlich (Schelling) das Chaos wieder eintritt. Schon zuvor, und ehe noch der gänzliche Zerfall da ist, nehmen die in jenem Ganzen waltenden Mächte die Natur böser(!) Geister an, wie die nämlichen Kräfte, die zur Zeit der Gesundheit wohltätige Schutzgeister des Lebens waren, bei herannahender Auflösung bösartiger und giftiger Natur werden.“(F.W.J. Schelling. Vom Wesen der menschlichen Freiheit. S. 51) E.B.