Elena Becker MA

Die kollektive „Passion“ oder: grund-lose Depression

>> US- Präsident Trumps (Wahl-)Slogan „America first!“ ist – wahrlich- Realität geworden.

Aber mit einer -“unverlierbaren“(Th. W. Adorno)1- Vor-Bildlichkeit und -Rang hat diese (statistische) Feststellung -nichts- mehr gemein. I

n punkto aktueller (Sars-)Infektionen hat die USA ihren wirtschaftlichen Konkurrenten China bereits jetzt überholt.

Auch die Arbeitslosen- Zahlen weisen in den USA wie in Europa einen damit verbundenen (korrelativen) Anstieg auf.

Entsprechend fallen(!) auch die Stimmungs-Barometer auf „null“ zurück.

Kanzlerin A. Merkel, die sich derzeit ebenfalls in Quarantäne(!) befindet, kann dem mangelnden Optimismus nichts entgegensetzen: eine Aufhebung der aufgrund der Pandemie (Seuche) angeordneten Eindämmungs-Maßnahmen ist noch nicht in Sicht.

Wegen fehlender „Saison“-Arbeiter (lat. fores) aus Osteuropa sollen nun u.a. deutsche Arbeitslosengeld-Empfänger und -anerkannte- Asylanten auf die landwirtschaftlichen Felder.

Um den „Bedarf“ an Schutzmasken und Desinfektionsmittel zu decken haben sich einzelne „Produzenten“(J.G. Fichte) aus der Textil- und Kosmetikbranche „solidarisiert“.

All das geht dabei durch den Kopf. Grüne Slogans wie „Zurück zur Natur!“ neben braunen Parolen „Blut und Boden!“ oder religiösen Gebetsformeln:“Erde zu Erde!“.

Im Zeichen des aktuellen Status quo resp. mittlerweile ausgerufenem kollektiven und individuellen Notstands(!) werden ungute „Assoziationen“ (J.-F. Lyotard) und böse(!) archaische(!) Erinnerungen wach, die von einem -verdrängten- oder mit dem (religiösen) „Zauberstab“(L. Marcuse)2 weg-dektretierten (ebd.) „Gefühl“(L. Marcuse) der Endlichkeit individuellen oder kollektiven Lebens begleitet wird.

Nirgendwo sonst als im „Bild“(L. Marcuse) -der Matapher- des Sämanns (H. Blumenberg), das von der symbol-trächtigen Gestalt des Sensenmannes(!) unabtrennbar ist, wird diese aller gewisseste Wahrheit konkreter vor Augen geführt, die den -ganzen- „Verlauf“ (Hegel)3 der individuellen „Existenz“(S. Kierkegaard) in ihren -Hegel- religiösen „Grund“(ebd.) wieder zurückgehen läßt, in dem auch „Schwerter zu Pflugscharen“ werden und -“urbi et orbi“- nicht erst auf päpstliches Geheiß oder „Rundschreiben“(M. Horkheimer)4 hin weltweit spontane Waffenruhe gilt: „pacem in terris“!(ebd.).

Der re-zyklische Verlauf ist nur gemäß christologischer Hermeneutik (Hegels) der inner-divinen Lebensgeschichte außer(!)-zeitlich. Dem entgegen ist jede individuelle oder systemische Realität entweder „diagrammatisch“(M. Foucault/ G. Deleuze)5, also raum-zeitlich oder „parzelliert“(ebd.), nach segmentären Bereichen getrennt, strukturiert. Dabei unterliegt sie, wie die vehikuläre (beschleunigte) Bewegung einer bewegten „Masse“ beispielsweise eines Projektils einem „Geschwindigkeits“- Parameter, der „buchstäblich ein `existentieller Quantifikator´, ein Gradmesser für (ihr) Über-Leben“(P. Virilio)6 ist oder umgekehrt eine „exponentielle“ Erkrankungsrate indiziert und wie im Fall einer militärischen Abwehr in der ablaufenden Bewegung „unterbrochen“7 werden muß.

Nicht der „Pflug“, der die in der Tiefe verdeckte, unter-gründige Schicht sichtbar (L. Marcuse) werden läßt, sondern die -epidemische und vorher: psychische(!)- Infektion „durchbricht“ das oberflächliche (Durchschnitts-)Dasein.

Aber das Bild ist dasselbe, das so eher in metaphysische oder existentielle Ur- „Angst“(Kierkegaard) „zurück“ versetzt, den, wie es B. Pascal formulierte: vermeintlich „sicheren“ Boden zu verlieren.

Darüber kann H. Blumenberg noch räsonnieren:“Wir können das Bild nicht mehr ohne Unbehagen ansehen, das von ländlichen Idyllen ausgeht, die den Eindruck der Unumstößlichkeit von Lebensgrundformen erwecken,... Denen abverlangt wird, sich diese Imagination zu vergönnen, sind Genossen eines anderen Sterns, die ihre Fortpflanzung mit Mißtrauen bedenken und betreiben und von der Rücksichtslosigkeit, mit der die Natur bei ihrer Sache bleibt eher Unheil kommen sehen.“(H. Blumenberg. Die Sorge geht über den Fluß. S. 107)

Hiervon werden auch zumal die -system-zeit-bedingt: „monadischen“-, dessen un-bewußten Existenzen heimgesucht und beschlichen, die in ein profanes System des-“integriert“ und -“frei“- gebunden sind, das unter der an die un-verrückbare Position der Religion gesetzten „Konstruktion des bürgerlichen Daseins“(Adorno, S. 363) von einer -akuten- „Dauerpanik“(ebd.) infiziert ist: angesichts eines -J.-F. Lyotard- ent-energetisierten „Null-Signifikanten“(G. Deleuze/ Lyotard)8, unter dessen theatralischer Maske (Lyotard) der individuelle Tod oder Systemtod (aller) umgeht.

Beides steht in absoluter und(!) existentieller, nicht allein diskursiver Relation und Wechselseitigkeit, worüber nach Platon u.a. J.G. Fichte das „heterogene“ Prinzip eines metaphysisch oder systemisch „Gesollten“ zur für die in ihre „abgesonderten Sphären“(Fichte) separierten Individuen zur verpflichtenden Voraus-Setzung erhebt.

Im „Deklinations“-System moderner Industriegesellschaften wird dieses -J.-F. Lyotard:- (nichtende) Todes-Prinzip in das durchgängige „Schema“(M. Horkheimer, S. 28) der aufdiktierten „Arbeits“-teilung übertragen(!), die noch die privatesten (Daseins-)Verhältnisse, Bedürfnisse und Verhaltensweisen durchzieht wie z.B. einen Spaziergang9, der der dys-funktionalen Gesundheit nur zum Zweck des Erhalts der Arbeitsfähigkeit dient.

Jeder und alles wird diesem un-mittelbar systemgebundenen Zweck subordiniert, der -J.G. Fichte- zum Zusammenschluß der Produzenten resp. M. Foucault: deren „Einschließung“ in die zum gesellschaftlichen Paradigma designierte Fabrik (H. Marcuse) der Konsumproduktion anhält, indem sie wie die produzierten Waren „an und für sich Nichtige(s)“(Adorno, S. 363), J.-F. Lyotard: „austauschbare Konkretionen darstellen“(Lyotard, S. 110).

Aus solchem „rechtmäßigen“(Fichte) Vertragskonstrukt, das sich nicht von einer materialistischen „Relativität“ oder einem den Anforderungen der Industriegesellschaft hin angepaßten, „darwinistischen“ Axiom (Horkheimer, S. 121) -der tautologischen Anpassung- mehr unterscheiden läßt, ergeben sich im Fichteschen Modell zuerst die negativen(!) Teilungs- und Verteilungsregeln, die einen „störungsfreien“ Ablauf (Fichte) garantieren.

Um diese in eine -am „anderen“ Ende- (syn-ergetische) Ausgleichskonstellation zu bringen, müsse dem -Lyotard (S. 111): atomistischen System ein „positiver“, J.G. Fichte:“eine gegenseitige Leistung verheißender Vertrag hinzugefügt werden.“(J. G. Fichte. Ausgewählte politische Schriften. S. 75)

Die da also lauten soll:“Die Produzenten verbinden sich, so viele Produkte zu gewinnen, daß nicht nur sie selbst, sondern auch die in ihrem [„negativ“ verbindenden] Staatsbunde vorhandenen und ihnen bekannten Künstler(!) sich davon ernähren können, ferner, daß die letzteren Stoff zur Verarbeitung haben; sie verbinden sich ferner, den Künstlern diese Produkte gegen die von ihnen verfertigten Fabrikate abzulassen, nach dem Maßstabe, daß die Künstler(!) während der Verfertigung derselben ebenso angenehm(!) leben können, als sie selbst.“(ebd.)

Wodurch „dem Ganzen seine ruhige und gleichmäßige Fortdauer garantiert“(ebd. S. 88) sei, also die Produktion von Waren im ausgeglichenen Verhältnis zur („angenehmen“) Konsumtion steht, ist, J.F. Lyotard, die „Intensitätsgrenze“ einer, vom (systemischen) „Anderen“ her kommenden Produktivität gezogen, die, sei es ein `zu´ intensives „Potential=Verschiebbarkeit“(S.23) ebenso ausschließt (ebd.) wie einen -anderen-“Null-Signifikanten“, dem eine phantasmatische (phantasmagorische, Baudrillard) „Wunschproduktion“(ebd. S. 124) und- Substanz (! Deleuze) zugeordnet (ebd.) wird.

Immunität hin oder her: der souveräne Präsident oder Re-Präsentant (Venezuelas) wird von den USA stellvertretend oder in persona als Drogenlieferant ent-larvt und vom -anderen- prototypischen Repräsentanten einer politisch-libidinösen (Deleuze/Baudrillard: phantasma-tischen) System-Wunschproduktion „de jure“ angeklagt, deren ur-eigenstes, J. Baudrillard: „hyperreales“ Realitätsprinzip10 ähnlich lautete wie der Slogan „Nehmt eure Wünsche als Realität!“(J. Baudrillard).

Man könnte diesem faktischen Ereignis und mit gleichem -konkretisierenden- Resultat eine „reine“ (System-)Analyse voranstellen, die sich auf die -ein leeres „Zentrum“(Lyotard- resubstantialisierenden Produktionen beschränkt wie eine „positivistische“ Sprachanalyse (L. Wittgensteins)l, die sich auf eine mit -Baudrillard: imaginärer- „empirischer Exaktheit“(H. Marcuse)11 genauestens untersuchter, nur „umstrittenen“ Diskursen (ebd. S. 209) zugehöriges „integrales Element“(H. Marcuse, S.223) reduziert, das eine „Allgemeinheit“(ebd.) zutage fördert, die ein absolutes „Entsetzen“ oder Schock (ebd. S. 222) auslöst und, B. Russell: die „Weiße“12 nicht nur als „intrinsisches“ Merkmal (R. Rorty)13 in allem nachweist, sondern zum -tödlichen- „Stoff der Welt“(ebd.) deklariert.

Darin gelangte aber nur ein -episodisches- Thema am „Rand“(J.-F. Lyotard) eines -diabolischen- Prozesses oder „Dialektik“ des Systems zum Vorschein, das in der „Flucht“-bewegung seiner endogenen „Depression“(Lyotard, S. 21), die auf einem „energetischen“ Nullzustand beruht(!)- entgegen- „arbeitet“ und vor dem es mithilfe des -heterogenen- „Todesprinzips“(Lyotard/ Freud) flieht(!), weil er seinen Systemtod bedeutet, den die Individuen repräsentativ und stellvertretend für die Passion des Systems erleiden müssen wie schon in der (sog.) Entfremdung überhaupt, in der sie existieren und -am existentiellen Ende- unter Entsetzen so sterben, wie sie es permanent tun.

In Th.W. Adornos Worten :“Je weniger die Subjekte mehr leben, desto jäher, schreckhafter der Tod. Daran, daß er sie buchstäblich in Dinge verwandelt, werden sie ihres permanent Todes, der Verdinglichung inne, der von ihnen mitverschuldeten Form ihrer Beziehungen. Die zivilisatorische Integration des Todes, ohne Gewalt und lächerlich vor ihm, den sie zuschminkt, ist die Reaktionsbildung auf dies Gesellschaftliche, täppischer Versuch der Tauschgesellschaft, die letzten Löcher zu verstopfen, welche die Waren[=Arbeits]welt noch offenließ. Tod und Geschichte, zumal die kollektive der Kategorie Individuum bilden eine Konstellation.“(Th.W. Adorno. Negative Dialektik. S. 363) E.B.